Historische Pflugtage 2026

Es ist wieder soweit – die Brokhauser Straße 89 wird zum Mekka für Traktorenfreunde! Am 9. und 10. Mai 2026 laden die Alt-Traktoren und Nutzfahrzeugfreunde Fürstenthum Lippe e.V. herzlich zu den 26. Historischen Pflugtagen auf dem Klenke-Hof ein. Der Eintritt wie immer frei!

Wenn der süßliche Duft von Heizöl über die Felder zieht, die Lötlampen gezündet werden und kurz darauf das unverwechselbare Tuck-Tuck-Tuck der Einzylinder-Glühkopfmotoren über Brokhausen hallt, dann wissen Einheimische und Gäste gleichermaßen: Die Historischen Pflugtage sind da. Seit über 50 Jahren gehört dieses Treffen fest zu Brokhausen – und die 26. Ausgabe verspricht, ein ganz besonderes Erlebnis zu werden.

Was erwartet Euch an diesem Wochenende?

Erwartet werden 200 bis 300 historische Traktoren und Nutzfahrzeuge aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland. Ob LANZ Bulldog, Deutz, Hanomag, Güldner, Porsche Diesel, Eicher oder Kramer – auf dem Klenke-Hof gibt es die ganze Vielfalt historischer Landtechnik zu bestaunen. Dazu kommen Einachser, historische Pflüge, Eggen, Grubber und beeindruckende Standmotoren.

Das Herzstück der Pflugtage sind natürlich die Pflugvorführungen: Historische Traktoren pflügen mit Oldtimer-Pfluggeräten die Felder rund um den Klenke-Hof. Wer einmal gesehen hat, wie ein schwerer Glühkopf-Bulldog mit brummendem Motor eine saubere Furche durch den Brokhauser Boden zieht, der versteht, warum dieses Treffen seit über einem halben Jahrhundert Menschen begeistert.

Höhepunkt: Das Wettheizen am Sonntagvormittag

Wer am Sonntagvormittag dabei ist, erlebt den absoluten Höhepunkt: das Wettheizen der Glühkopf-Bulldogs! Beim Wettheizen treten die Fahrer gegeneinander an – wer hat seinen Bulldog als Erster angeglüht und gestartet? Mit Lötlampe und Geschick bringen sie den Glühkopf zur Rotglut, bevor die mächtigen Einzylindermotoren per Hand angeworfen werden. Wenn dann ein Motor nach dem anderen mit gewaltigem Tuck-Tuck zum Leben erwacht und eine blaue Abgaswolke in den Himmel steigt, ist das ein Erlebnis für alle Sinne – und sorgt jedes Mal für begeisterten Applaus.

Historisches Dreschen, Holzbearbeitung und mehr

Auch die Dreschvorführung mit einer originalen Geringhoff-Dreschmaschine von 1956 sollte man sich nicht entgehen lassen. Angetrieben von einem Glühkopf-Bulldog, zeigt sie historische Erntetechnik in Aktion. Diese Maschine war bis 1965 bei der Dreschgenossenschaft Todtenhausen bei Minden im Dienst und wurde vom Verein 2014 liebevoll restauriert.

Daneben gibt es Holzbearbeitung mit historischen Geräten (Hackschnitzelherstellung, fahrende Holzsäge, Holzspalter), eine Waldschule der Kreisjägerschaft für die jüngeren Besucher, Verkaufs- und Informationsstände – und am Samstagabend steigt die beliebte Scheunenparty!

Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt: Spanferkel, Erbsensuppenimbiss, selbstgebackener Kuchen und ein Getränkestand lassen keine Wünsche offen.

Alle Infos auf einen Blick

Was26. Historische Pflugtage
WannSamstag & Sonntag, 9. & 10. Mai 2026
(Freitag, 8. Mai = Anreisetag für Teilnehmer)
WoKlenke-Hof, Brokhauser Str. 89, 32758 Detmold-Brokhausen
EintrittFrei! Kein Eintritt, kein Startgeld.
VeranstalterAlt-Traktoren und Nutzfahrzeugfreunde Fürstenthum Lippe e.V.
KontaktBernd Klenke, Tel. 05231 / 24112
HighlightsPflugvorführungen, Wettheizen, Dreschen, Scheunenparty, Spanferkel

Alle Traktorenbesitzer sind herzlich eingeladen, mit ihren historischen Maschinen teilzunehmen! Die Anreise ist ab Freitag, den 8. Mai möglich. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite Traktorenfreunde Lippe!


Faszination LANZ Bulldog: Warum diese Traktoren so besonders sind

Kein Oldtimer-Traktorentreffen ohne den Star der Szene: den LANZ Bulldog. Doch was macht diese Maschinen eigentlich so begehrt? Warum schlagen die Herzen von Sammlern und Landtechnik-Liebhabern höher, wenn sie das tiefe, rhythmische Brummen eines Einzylinder-Glühkopfmotors hören?

Die Geschichte beginnt 1921 in Mannheim. Konstrukteur Dr.-Ing. Fritz Huber stellte auf der DLG-Wanderausstellung den ersten Bulldog HL 12 vor – einen Traktor mit Rohölmotor und 12 PS. Huber war überzeugt, dass eine landwirtschaftliche Zugmaschine nicht „einzylindrig genug“ sein könne. Den Namen „Bulldog“ erhielt der Traktor, weil der kugelförmige Glühkopf an der Front an das Gesicht einer Bulldogge erinnerte – bei Dunkelheit leuchteten die seitlichen Öffnungen wie glühende Augen.

Was folgte, war eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen: Bis zur Übernahme durch John Deere im Jahr 1956 wurden in Mannheim über 220.000 Bulldogs gebaut. In Bayern wurde „Bulldog“ sogar zum umgangssprachlichen Synonym für Traktoren überhaupt. Das Geheimnis des Erfolgs war der genial einfache Glühkopfmotor – ein „Allesfresser“, der mit Diesel, Heizöl, Pflanzenöl, Kerosin, Tran oder Rohöl lief. In Zeiten der Treibstoffknappheit war das Gold wert. Dazu kam eine Bauweise ohne Vergaser, Zündkerzen und Ventile: Der Bauer konnte seinen Bulldog mit Bordmitteln selbst reparieren.

Das Flaggschiff: Der LANZ Bulldog D 9506 / D 9507

Unter allen Bulldog-Modellen ragt der D 9506 als das Flaggschiff heraus. Sein liegender Einzylinder-Zweitakt-Glühkopfmotor bringt es auf gewaltige 10.338 cm³ Hubraum – mehr als mancher LKW-Motor! Bei einer Bohrung von 225 mm und einem Hub von 260 mm leistet er 45 PS Höchstleistung und entwickelt ein Drehmoment von 500 Nm. Von 1934 bis 1955 wurden 3.817 Exemplare dieser Ackerluft-Ausführung der HR8-Baureihe gebaut.

Sein 90-Liter-Tank schluckte so ziemlich alles Brennbare, und das 3-Gang-Getriebe mit Zusatzgruppe bot 6 Vorwärts- und 2 Rückwärtsgänge. Mit einem Leergewicht von 3.950 kg brachte der D 9506 ordentlich Gewicht auf den Boden – und damit die nötige Traktion für schwerste Feldarbeit.

Die Variante D 9507 war technisch identisch, verzichtete jedoch auf die elektrische Anlasszündung und war daher etwas günstiger: 1936 kostete der D 9506 8.400 Reichsmark, der D 9507 nur 8.300 RM. Beim D 9507 musste der Motor vollständig manuell gestartet werden – Lötlampe, Geduld und kräftige Arme inklusive. Der berühmte polnische Ursus C-45 war übrigens ein direkter Nachbau des D 9506 und wurde in rund 55.000 Exemplaren gefertigt.

Technische Daten: LANZ Bulldog D 9506
Motor1-Zylinder-Zweitakt-Glühkopfmotor, liegend
Hubraum10.338 cm³
Leistung38 PS (Dauer) / 45 PS (Höchstleistung)
Drehmoment500 Nm bei 630 U/min
Getriebe6 Vorwärts- / 2 Rückwärtsgänge
Leergewicht3.950 kg
Baujahre1934–1955
Stückzahl3.817 Exemplare

Der Seitenglühkopf: Die HE-Baureihe mit D 4506 und D 5506

Neben den großen Bulldogs entwickelte Fritz Huber Ende der 1930er-Jahre eine besondere Konstruktion: den sogenannten „Bauern-Bulldog“ der HE-Baureihe. Auf Anordnung der damaligen Regierung sollte LANZ einen bezahlbaren Einheitsschlepper für kleinbäuerliche Betriebe schaffen – Bauern, die sich keinen großen Traktor leisten konnten, sollten ebenfalls mechanisiert werden.

Die erste Ausführung, der D 4506, erschien 1939. Sein Einzylinder-Glühkopfmotor hatte lediglich 2.807 cm³ Hubraum und eine Leistung von 15 PS – der kleinste Glühkopfmotor, der je in einen Bulldog eingebaut wurde. Optisch fiel er sofort durch die seitlich liegende Lenksäule auf. Doch das eigentlich Besondere war konstruktiver Natur: Anders als bei den „großen“ Bulldogs saß der Glühkopf nicht prominent an der Front, sondern war seitlich im Vorderachsträger untergebracht – quasi unsichtbar. Vorgeheizt wurde über eine seitliche Öffnung. Daher der Name „Seitenglühkopf“.

Ähnlich wie der Allzweck-Bulldog sollte auch der D 4506 ein Traktor für alle anfallenden Arbeiten sein. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges und der damit zusammenhängenden Treibstoffknappheit wurde 1942 die Produktion eingestellt und die Zeit der Holzgasschlepper begann. Bis dahin waren lediglich rund 276 Stück gebaut worden – der D 4506 war die letzte Konstruktion von Fritz Huber, der im selben Jahr verstarb.

Ab 1950 setzte LANZ die Produktion der HE-Baureihe mit dem D 5506 fort. Dieser „Allzweck-Bauern-Bulldog“ basierte, bis auf kleine Änderungen, auf dem D 4506: Er erhielt eine andere Frontverkleidung, und die Leistung des Glühkopfmotors wurde auf 16 PS gesteigert. Mit nur 1.190 kg Leergewicht und einer verstellbaren Spurweite war er vielseitig auf kleinen Höfen einsetzbar. Bis 1952 entstanden 8.255 Exemplare vom LANZ D 5506 – ein deutlich größerer Erfolg als sein Vorkriegs-Vorgänger.

Heute ist ein originaler D 4506 eine absolute Rarität: Experten schätzen, dass nur noch ein gutes Dutzend existiert. Wer bei den Pflugtagen in Brokhausen einen sieht, darf sich glücklich schätzen!

Die Seitenglühkopf-Modelle im Vergleich
D 4506D 5506
Baujahr1939–19421950–1952
Leistung15 PS16 PS
Hubraum2.807 cm³2.807 cm³
Stückzahlca. 2768.255
BesonderheitLetzte Huber-Konstruktion, extrem seltenErster Nachkriegs-Bulldog

Warum der LANZ Bulldog auch 2026 die Herzen erobert

Ob erfahrener Sammler oder neugieriger Besucher – die Faszination LANZ Bulldog lässt sich kaum in Worte fassen, man muss sie erleben. Das Startritual mit der Lötlampe, der Geruch von warmem Öl und Heizöl, das tiefe Brummen, das man im Brustkorb spürt, und die spürbare Begeisterung der Traktorenfreunde – all das macht die Historischen Pflugtage zu etwas ganz Besonderem.

Die rund 30 Mitglieder des Vereins – vom Landmaschinenschlosser, dem Ingenieur und den Kinderarzt bis zum Rentner – verbindet eine gemeinsame Leidenschaft: die Freude an historischer Technik, die man noch anfassen, verstehen und selbst reparieren kann. Vereinsvorsitzender Bernd Klenke bringt es auf den Punkt: „Früher konnte man noch selbst schrauben und nachvollziehen, wie die Motoren funktionieren.“

Wir freuen uns auf Euch in Brokhausen! Kommt vorbei, bringt Familie und Freunde mit und erlebt ein Stück lebendige Landwirtschaftsgeschichte – direkt vor unserer Haustür. Der Eintritt ist frei, die Atmosphäre unbezahlbar.


Weiterführende Links und Quellen


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